Kakao
Aus WelaWiki
Kakao und Schokolade
Kakao ist das wichtigste Warenprodukt für die gesamte Süßwarenindustrie, eine Produktion die fast ausschließlich auf (westliche) Industrieländer ausgerichtet ist. Über 90 Prozent der Schokolade wird in Industrieländern konsumiert, ca. 70 Prozent des Gewinns fließen in diese Industrieländer. Die Hauptanbauländer Elfenbeinküste, Brasilien, Ghana, Malaysia und Nigeria, in denen zusammen drei Viertel des weltweiten Rohkakaos angebaut werden, gehören allerdings nicht zu diesem Kreis. Alle diese Länder standen früher in direkter Abhängigkeit zu ihren europäischen Kolonialherren. Kolonien waren im Allgemeinen meist auf eine Mono-Wirtschaft, d.h. auf den Anbau und die Spezialisierung eines bestimmten Rohprodukts, spezialisiert, das dann in Europa zum Endprodukt verfertigt und dann dort verkauft wurde. Und so ist es zum allergrößten Teil auch heute noch.
In Ghana zum Beispiel sind die Folgen dieses einseitigen Anbaus von Kakao als sogenannte „cash-crops“ (also landwirtschaftliche Produkte, die fast ausschließlich auf den Weltmarkt verkauft werden) besonders deutlich zu sehen. Der Großteil des in Ghana angebauten Kakaos wird von Kleinbauern produziert. Der Kakaoanbau stellt somit die Lebensgrundlage dieser Menschen dar. Selbst nach der Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht 1957 blieben zuerst ausländische Importeure bestimmend, erst nach 1969 wurde ein Staatsmonopol auf Kakao (das Cocoa Board) errichtet. Nur diesem war es gestattet Kakao aufzukaufen. Ghana war auf die Einnahmen aus dem Kakaoexport angewiesen, um Devisen für den Schuldendienst zu erwirtschaften. Trotz des extremen Preisverfalls für Kakao auf dem Weltmarkt wurden die Kakaobauern zu einem weiteren Mono-Anbau von Kakao ermutigt anstatt auf Alternativen umzusteigen. Die sinkenden Weltmarktpreise sollten durch erhöhte Exportmengen kompensiert werden. Der IWF (Internationaler Währungsfond) und die Weltbank sind seit 1993 darum bemüht, das Monopol, das der Staat Ghana darauf hat, Kakao von den Bäuerinnen und Bauern anzukaufen, zu durchbrechen. Sie vergeben Kredite an den Staat Ghana zum Ausgleich der in der Kolonialzeit entstandenen Schulden unter der Bedingung, dass sich der Kakaomarkt liberalisiert. Das bedeutet, dass nicht mehr nur der Staat, sondern auch einzelne Firmen Kakao ankaufen dürfen.
Beispiel: Kuapa Kokoo
Eine dieser Organisationen ist Kuapa Kokoo (der Name stammt aus der Tsi-Sprache und bedeutet „guter Kakao“). Sie ist die einzige private Kakaoorganisation, die sich für die Interessen der ProduzentInnen einsetzt. Anfänglich von ca. 40 Dorfgemeinschaften aus der Ashanti-, Brong, Ahafo- und Westernregion gegründet, ist sie genossenschaftlich organisiert und mittlerweile auf ca. 35.000 ProduzentInnen angewachsen, die in rund 460 Dorfgemeinschaften organisiert sind. 29 Prozent der Mitglieder von Kuapa Kokoo sind Frauen, deren Partizipation durch spezielle Programme gefördert wird.
Nachdem die Kleinbäuerinnen und -bauern ihre Ware zum jeweiligen Sammelplatz gebracht haben, werden sie dort bar bezahlt. In Zeiten des Staatsmonopols wurden vom Cocoa Board Schecks ausgezahlt, auf deren Auszahlung oft lange Zeit gewartet werden musste. Das Wiegen des Kakaos ist zudem transparenter; die Bauern können die Früchte ihrer Arbeit selbst beurteilen – sie fühlen sich nicht mehr betrogen.
Obwohl nur ca. zwei Prozent des von Kuapa Kokoo aufgekauften Kakaos zu „Fair Trade“ Bedingungen exportiert wird, ist die Wirkung der dadurch erzielten Mehrerlöse beträchtlich: der Schulbesuch ist in den meisten Dorfgemeinschaften nun die Regel, soziale Projekte und die Partizipation von Frauen können gefördert werden, die Anschaffung von eigenen LKW und Waagen führt zu einer größeren Unabhängigkeit der Genossenschaft vom Staat Ghana. Die Kleinbauern haben nun eher das Gefühl einen fairen Lohn für ehrliche Arbeit zu bekommen.
