Geschichte

Aus WelaWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Weltladen Göttingen

Wo fing das an, was ist passiert...?

Im Sommer 1974 fand sich eine Gruppe engagierter Menschen aus dem Umfeld der Katholischen Studentengemeinde in Göttingen zusammen. Sie gründeten den „Arbeitskreis Solidarische Welt“. Der AK wurde als Verein eingetragen und ist von Parteien und Kirchen unabhängig. Kurze Zeit später eröffnete die Gruppe in Zusammenarbeit mit „el puente“ einen Weltladen im Papendiek, der zu diesem Zeitpunkt „Lateinamerikamarkt“ hieß.

Die damalige Gruppe wollte, laut Satzung, durch die inhaltliche Arbeit und den Verkauf der Produkte im Weltladen „theoretische Erkenntnisse und praktische Solidarität zusammenbringen“ und damit eine Alternative zu Boykottaktionen schaffen. Sie wollte sowohl den ehrenamtlichen MitarbeiterInnen ermöglichen sich intensiver mit entwicklungspolitischen Themen auseinanderzusetzen als auch die Öffentlichkeit über „Nord-Süd-Themen“ informieren. Mit dem Verkauf der Produkte sollte nicht nur auf „die Situation in den Länder der 3. Welt aufmerksam gemacht“ sondern auch das „allgemeine Konsumverhalten in Frage gestellt“ werden.

Bei der inhaltlichen Arbeit waren drei Ziele zentral: Erstens sollten durch den fairen Handel erreicht werden, dass zumindest „einige Menschen in den Ländern des Südens ein besseres Leben führen können.“ Zweitens wurden die „Ungerechtigkeiten des bestehenden Welthandelssystem kritisiert“. Durch den fairen Handel sollte diesem eine „wenn auch bescheidene“ Alternative entgegengesetzt werden. Drittens sollten Informationen zu entwicklungspolitischen Themen angeboten werden. Die verschiedenen Arbeitsgruppen und die schon damals bestehende Leihbibliothek ermöglichte das.

Der Weltladen wird seit jeher ehrenamtlich betrieben und ist basisdemokratisch organisiert. Alle Entscheidungen werden in einem regelmäßigen Plenum diskutiert und im Konsensverfahren getroffen. Die gemeinsame und gleichberechtigte Leitung des Ladens (ohne Chef/in) gehört zu den ideellen Grundpfeilern des Ladens und wird deshalb auch heute noch gut gepflegt. Manchmal hat das zur Folge, dass Entscheidungen länger diskutiert werden müssen, dafür haben aber alle Mitarbeiter/innen die Möglichkeit sich einzubringen und mitzubestimmen. Diese Art von Gleichberechtigung und Transparenz hat sich bewährt und zählt überdies auch zu den Grundprinzipien des fairen Handels im Allgemeinen.


Alles bleibt anders

Mittlerweile ist die Gruppe eine andere geworden, da Menschen weggezogen sind oder aufgehört haben und andere Menschen hinzugestoßen sind. Trotzdem sind die Grundideen und Intentionen der Arbeit noch heute relevant. Die Struktur im Weltladen basiert nach wie vor auf freiwilligem und unentgeltlichem Engagement und das Kollektiv sowie die Entscheidungsfindung über das Plenum existieren auch heute noch. Zudem versuchen wir uns nicht nur auf den Verkauf der Produkte und eine Umsatzsteigerung der fair gehandelten Waren zu beschränken, sondern nebenbei auch Informationsarbeit zu leisten und eine wirkliche alternative Einkaufsmöglichkeit zu den großen Handelsketten und konsumorientierten Geschäften zu bieten.

Im Laufe der Veränderungen, die sich innerhalb der Fair-Handelsbewegungen vollzogen haben, hat der Weltladen Göttingen immer wieder versucht seinen eigenen politischen Ansprüchen gerecht zu bleiben. So ist er zum Beispiel 1999 aus dem Weltladendachverband ausgetreten. Dieser wollte den Schwerpunkt auf das einheitliche Erscheinungsbild aller Weltläden legen und auf eine Umsatzsteigerung setzen. Dem Weltladen Göttingen erschien die Arbeit des Dachverbandes zu wenig transparent und außerdem wollte in seiner politischen und alternativen Ausrichtung unabhängig bleiben.

Allerdings erlebte der Weltladen in seiner doch sehr langen Geschichte auch kritische Phasen. Im Jahr 2005 gingen die Umsätze beim Verkauf der Produkte in einigen Bereichen fast um die Hälfte zurück und der Laden drohte schon unter diesen Umständen einzugehen. Doch mit der Flaute entstand auch die Idee für eine größere Veränderung. Nach längerer Überlegung fasste die Gruppe den Entschluss, einen Umzug zu planen. Seit September 2006 befindet sich der Weltladen nun in der Nikolaistraße und wurde sogar um ein kleines Café erweitert.

In einer gemeinsamen Aktion wurden Fördergelder beantragt, UnterstützerInnen gewonnen, Pläne geschmiedet, Baumaterialien und Werkzeuge besorgt. In Eigenregie wurde die hässliche Wandvertäfelung zu praktischen Lagerregalen umgebaut und der schmutzig-braun gehaltene Laden komplett umgestaltet. Die gesamte Elektrik musste neu verkabelt, Wände herausgerissen, Tische und Stühle gebaut und der Holzboden neu verlegt werden. Der Weltladen erstrahlte in neuem Glanz und der gemeinsame Gestaltungsprozess beflügelte die Gruppe.

Durch die zentrale Lage des neuen Ladens in der Nähe der Innenstadt kommen auch mal Leute vorbei, die ihn bisher noch nicht kannten. Außerdem gibt es im neuen Weltaden erheblich mehr Platz für die verschiedenen Produkte und die Lagerung der Ware, aber vor allem auch für Informationsveranstaltungen, entwicklungspolitische Filmabende oder Diskussionsveranstaltungen.


Es geht voran

Nach wie vor wollen wir durch den Verkauf von fairen Produkten Kleinbetriebe, Kooperativen und soziale Projekte unterstützen. Außerdem bietet die Existenz des Weltladens Anknüpfungspunkte für entwicklungspolitische Öffentlichkeitsarbeit in Göttingen. Wir versuchen mit dem Weltladenbetrieb und den im Laden zugänglichen Informationen über fairen Handel, Menschen dazu zu bewegen über ihre Konsumgewohnheiten nachzudenken. Das reicht uns aber noch lange nicht.

Wir wollen mehr politische Arbeit machen. Leider muss diese manchmal hinter den alltäglichen Beschäftigungen im Weltladen, wie zum Beispiel Ladendienst, Bestellung der Produkte usw. zwangsläufig zurückstehen, weil wir nicht genügend Kapazitäten haben. Allerdings haben sich auch die gesellschaftlichen Verhältnisse verändert, sodass etwa Studierende erheblich mehr Leistungs- und Zeitdruck ausgesetzt sind und weniger Zeit in den Laden investieren können. Darum versuchen wir, umso mehr neue Menschen für den Weltladen zu interessieren und ihnen die Möglichkeit aufzuzeigen, die der Weltladen in seiner jetzigen Struktur bietet. Unser Wunsch ist es, irgendwann so viele aktive MitarbeiterInnen zu haben, dass wir sowohl die Aufrechterhaltung des Ladenbetriebes als auch politische Aktionen und eine rege Informationsarbeit leisten können.

Zum selber Gestalten und Mitmachen stehen viele Möglichkeiten offen. Jeder und jede kann gleichberechtigt mitbestimmen, was im Laden passieren soll. Ihr könnt im Weltladen eigenverantwortlich Projekte planen, verschiedene praktische Arbeiten übernehmen und in allen Bereichen des Ladens mitmischen. Da gibt es zum Beispiel die Bestellgruppen, die den direkten Draht zu den Importorganisationen wie „el puente“ oder „gepa“ haben. Oder die „Aktion faire Schule“ die mit Schülerinnen und Schülern zu entwicklungspolitischen Themen arbeitet, wie zum Beispiel der Kakaoproduktion in Ghana. Immer mal wieder gibt es kleine Aktionen oder Veranstaltungen, an denen ihr teilnehmen könnt. Alle zwei Wochen findet ein Plenum statt, auf dem jede/r Interessierte/r willkommen ist. Und wenn ihr selbst Ideen für die Verwirklichung einer solidarischen Welt habt, bringt sie einfach ein!

login